19. Januar 2012

Meine Daten bekommt ihr nicht

 Bewertung des Materials

Das hier besprochene Material gibt es dort.

+++ Ein Lehrer der Stadtteilschule Walddörfer hat das Unterrichtsmaterial konzipiert +++ Der Hamburger Datenschutzbeauftragte und das Landesinstitut für Lehrerbildung sind Organisatoren +++ Von der Uni-Hamburg erfolgte eine didaktische Unterstützung +++ Das Jugendprogramm ENJOY vom NDR bietet mediale Unterstützung und Multiplikatorfunktion +++ Es richtet sich an 11 bis 13-jährige, wurde in einer 7. Klasse erprobt +++  Kann in Klassenverbänden mit Internetzugang als Unterrichtseinheit eingesetzt werden +++  Ziel ist es Bewusstsein für den Umgang mit eigenen Daten im Internet zu bekommen. +++ Themen sind u.a. Cybermobbing, peinliche Bilder, Abofalle, Phishing+++ Dauer etwa 12 Stunden +++
 

 Das Thema ist wichtig – das Unterrichtsmaterial finde ich ebenfalls gelungen. Interessant daran ist zudem, dass dabei auch Lehrer, die von der Materie ebenfalls noch recht wenig Ahnung haben, dabei eine Menge lernen und die zusätzlichen Hinweise (z.B. auf Bildbearbeitungssoftware und sogar Tastenkombinationen zur Bildbearbeitung) geboten bekommen.

Die einzelnen Themen sind auch für den unbedarften Lehrer verständlich eingeleitet, bieten kurze Zusammenfassungen und, sehr wichtig, konkrete Fragestellungen. Das mag der gut ausgelastete Lehrer. Jedoch hätte ich mir in einigen Fällen durchaus Links zu Zeitungsartikeln und Videos (wie beispielsweise dem eigenen Profil, das schon vor einem selbst zum Bewerbungstermin erscheint) gewünscht. Wenngleich ich – wie im vergangenen Artikel bereits angedeutet – mir auch durchaus vorstellen könnte,  öffentlich zugängliche Daten der Schüler zu verwenden.

Beim Punkt Cybermobbing werden zudem pädagogische Maßnahmen genannt, wenn so etwas innerhalb der Klasse vermutet wird. Diesen Punkt fand ich für mich irgendwie klar – es ist aber trotzdem wichtig noch einmal darauf i. Interessanterweise wird das „Vertrauen“ besonders hervorgehoben (das sah ich in der ersten Teilaufgabe ebenfalls als wichtigen Baustein – ohne das Material zu dem Zeitpunkt schon gelesen zu haben).

Die Einheit verzichtet auf genaue Zeitangaben und -abschnitte. Das gibt uns einerseits die Freiheit die Themen nach Bedarf zu gewichten (Abo-Fallen dürften m.E. nicht mehr so wichtig sein) kann aber auch dazu führen, dass man sich verzettelt…

Das integrierte Planspiel dürfte bei den Schülern den größten Lerneffekt hinterlassen. (für die Leser, die anderen Aufgaben bearbeitet haben: Dort können sie miteinander chatten, Ego-Shooter spielen – jedoch nicht wirklich, sondern lediglich eine Zeitspanne dafür eintragen und weitere Dinge machen. Dazu melden sie sich auf einer besonderen Internetseite an. Im weiteren Verlauf wird klar, dass sich alle rekonstruieren lässt und sogar Nicknames klar zuzuordnen sind). So habe ich es jedenfalls aus der Anleitung abgelesen.

Die größte Stärke in dem Material liegt meiner Meinung nach darin, dass es von einem Lehrer gemacht wurde und so auch alle Bedürfnisse abdeckt. Hinzu kommen nutzbare Elemente wie etwa das Planspiel. 30 Seiten Umfang erscheinen mir bei 12 Stunden auch angebracht.

Die Ergebnissicherung in Form eines Leitfadens für jüngere Schüler ist insofern gelungen, weil die Schüler selbst Screenshots machen und das Material damit immer auf einem akzeptablen Stand ist (jeder, der bei facebook ist weiß, dass sich der Datenschutzbereich ständig verändert und immer unübersichtlicher wird). Hinweis: Die Datensicherung könnte auch in Form einer Website (primolo?) gemeinsam verfasst werden und wäre damit leichter veränderbar und hätte zudem Effekte auf die Vermittlung bei jüngeren Schülern. Wenn die Jüngeren in späteren Jahrgängen das Projekt jedoch ebenfalls in ihrer Klasse durchnehmen, wäre für sie vieles doppelt…

Mein Fazit:  Daumen hoch. Für 11 bis 13 Jahre alte Schüler wunderbar geeignet (auf die geförderten Kompetenzen verzichte ich an dieser Stelle). So eine Einheit kann sogar von Erwachsenen mitgemacht werden. Lediglich die Oberfläche des Planspiels wirkt etwas unattraktiv. Als Ergänzung hätte ich mir jedoch auch einen Punkt zum Urheberrecht bei Bildern, Musik und Texten gewünscht. Illegaler mp3-Download dürfte nach dem Planspiel dann nämlich tabu sein.

18. Januar 2012

Web 2.0: Eine Herausforderung – auch für LehrerInnen

Pädagogische Problemfelder

War Gewalt auf dem Schulhof bisher eine Angelegenheit, die Mitschüler und Lehrer oftmals direkt klären und im idealfall auch gleich aus der Welt schaffen konnten, ist in den vergangenen Jahren eine neue Art von Gewalt herangereift, die sich in weiten Teilen dem Einfluss der Schule entzieht. Cybermobbing – nach der TK-Umfage hat es bereits jeder zehnte Schüler schon mal gemacht – ist eine, ich nenne sie mal, nachhaltigere Variante, um Mitschüler fertigzumachen. Posts in sozialen Netzwerken bleiben länger bestehen, unangenehme Videos oder Bilder sind, einmal in Umlauf gebracht kaum noch aus der Welt zu schaffen. Das zeigt das folgende Video nach meiner Meinung ganz gut – zeigen auch die meisten Kommentare dazu:

Was aber kann die Schule da unternehmen?

Restriktion zur Internetnutzung können von Lehrer sicherlich kaum ausgesprochen, geschweige denn überprüft werden. Wahrscheinlich ist ein Verbot hier auch nicht zielführend. Sinnvoller erscheint es mir hier Aufklärung im Vorwege zu betreiben. Eine physische Auseinandersetzung ist meist kurz, oft schnell vergessen und glücklicherweise auch meist ohne körperliche Schäden. Beim Cybermobbing ist es anders gelagert. Über soziale Netzwerke sind meist weitaus mehr Teilnehmer involviert und der Schaden am Opfer ist nachhaltiger, die körperlichen Auswirkungen psychischer Natur wahrscheinlich schlimmer, als eine handfeste Schulhof-Keilerei (ohne sich hier für diese Variante auszusprechen).
Mit Aufklärung über Folgen kann ein Bewusstsein erlangt werden, dass den Einsatz des Cybermobbings eventuell senken kann. Dabei darf es aber keine Anleitung zum „guten mobben“ werden, das Schüler erst auf die Idee bringt, andere Schüler auf diesem Weg fertigzumachen. Sicherlich sollte ein Teil der Aufklärung da gar nicht direkt ggü. den Schülern, sondern vielleicht eher den Eltern erfolgen. Die wissen nämlich meist noch weniger vom WIE als die Schüler. In der Schule kann und muss es thematisiert werden. Die Auswirkungen – auch für den Auslöser müssen verdeutlicht werden (Urheberrecht, Abmahnungen, Isolation, Spätfolgen, wenn andere etwas im Internet von einem suchen etc.). Ob Restriktion seitens der Eltern sinnvoll sind, mag ich nicht so recht beurteilen….

Ich persönlich würde versuchen bei den Schülern eine Einstellung zu vermitteln, die ihnen Kindheit oder Jugend als das darstellt, was sie sein soll: Eine persönliche und oftmals intime Angelegenheit in echten Offline-Gruppen, die eigentlich nicht in aller Breite auf facebook  ihre Erfahrungen posten und mit gefällt mir kommentieren muss. Erlebnisse sind oft wertvoller, wenn sie nicht von einer Kamera festgehalten werden.  Also eher der Versuch das Echte aufzuwerten, weniger das Internet zu verdammen. Dazu gehört im Vorwege aber natürlich eine Beschäftigung damit und wohl auch schlechte Beispiele…
Einerseits also Aufklärung – aber natürlich muss eine andere Prävention verhindern, dass cybermobbing genutzt wird. Vertrauen zu Lehrern, die Gewissheit sich anvertrauen zu können und klare Regeln innerhalb des Schulverbands (klassenübergreifende Ziele, Engagements etc.) können da ein weiterer Baustein sein.

Ich würde auch nicht vor pädagogisch vielleicht erst mal total unbrauchbar wirkenden Methoden (die in dem Unterichtsmaterial der kommenden posts ausdrücklich nicht benutz werden sollen) zurückschrecken.  Nehmen wir einen Satz wie: „lol, uta aus der 7b stienkt immr nach schwais. Außerdem pobelt unser Lehrer mide immer“ doch einmal im Unterricht auseinander. Mit dem Urheber zusammen. Vor allen.  Wenn es öffentlich im Netz steht. Dann merkt auch er, wie sich das anfühlt (sicherlich nicht auf jeden und jede Gruppe anwendbar anwendbar und mit Vorsicht zu genießen! Darf keine Vorlage werden, Rechte etc. Es geht um den Effekt wie in dem ersten Video). Beispiele wie Spurensuche nach der  wohl fiktiven Person Anna Sprellner aus dem Arbeitsblatt der Hamburgischen Beauftragten für Datenschutz ist da sicherlich auch im Unterricht einsetzbar.

Das folgende Video erzeugte bei mir ähnliche Reaktionen, wie die beiden Kommentare dazu. Es erscheint mir weniger geeignet, da zu überspitzt, dennoch können Teile davon sicherlich thematisiert werden.

12. Januar 2012

Hallo Ulf,

mein Vorschlag für den PGW-Unterricht in der 6b für die kommende Woche.

Ich würde gerne eine Einheit mit den Webtool primolo durchführen. Das kann ich den Schülern im Vorwege erklären.  Das geht flott und ist eigentlich selbsterklärend. Fragen der Schülern kann ich dann ja noch während der Arbeitsphase beantworten.

Als Thema habe ich mir „Urheberrrecht im Netz“ ausgesucht. Eigentlich ist das erst für die späteren Jahrgänge vorgesehen. Wir hatten uns ja aber darüber unterhalten, dass es äußerst sinnvoll ist, dass auch schon früher zu machen. Ich denke in einer DOppelstunde ist das auch zu schaffen

Als Ziele sollen die Schüler wesentliche Merkmale des Urheberrrechts kennenlernen, nennen und mit dem Tool ordnen. Dazu ist es notwendig, Informationen aus den Internetseiten zu entnehmen . Ich wollte den Schülern verschiedene Internetseiten vorgeben, aus denen sie die Informationen beziehen können. Ein Beispiel wäre netzdurchblick.de

Ich würde vorher Gruppen einteilen.

Was ist mit Bildern?
Was mit Musik?
Welche Beispiele gibt es außerhalb des Internets (erscheint mir wichtig, weil die meisten wohl gleich an schuelerVZ denken?
Was ist mit Texten?

Die Einheit kann m.E. das verbindliche Inhaltsfeld Gesellschaft/Recht als gesellschaftlicher Handlungsrahmen abdecken. und stärkt die Kompetenz der politisch-moralischen Urteilsfähigkeit…und hat zudem einen praktischen Nutzen, der die Eltern vor Abmahnungen schützen kann.

Zum Ende sollte jede Gruppe ihren Bereich den anderen vorstellen. Damit ist auch das Präsentieren abgedeckt. Wie ich das genau realisiere, ist mir noch nicht ganz klar und auch abhängig von der Zeit.

Grüße und bis Montag

2. Dezember 2011

Es geht um Performance

10 Jahre nach Pisa

Kurz zusammengefasst: Von Defizitperspektiven, Muße, dem Verbessern des Bestehenden und fordernden Eltern.
Wieder vom dlf, 1.12.2011, mp3.

Wieder etwas für zwischendurch. Geht ein wenig in die Richtung der vergangenen Aufgabe.
…und lobt Pisa-Methoden nicht in den Himmel

30. November 2011

John Hattie

„the teacher matters“

Nicht die Struktur entscheidet, sondern der Lehrer ist der entscheidende Faktor für nachhaltigen und „guten“ Unterricht und Unterrichtsergebnisse, wie sie z.B. bei Pisa gefordert werden. Hatties stark verdichtete Ergebnisse habe ich in einer Prezi weiter verdichtet.
Hier kann die Präsentation angesehen werden, Flash ist erfoderlich. Navigation durch Klicken oder mit gedrückter linker Maustaste und Scrollrad. Unten rechts unter „more“ kann auf Vollbildansicht umgeschaltet werden.

29. November 2011

Schüler und Lehrer: Freunde auf Facebook?

Vielleicht hat es der ein oder andere ja bereits gelesen.  Bei Spon gibt es ein paar Meinungen zum Freunde-Sein von Lehrern und Schülern auf Facebook.

Ich habe das Thema schon häufiger mit Pädagogen im Offline-Freundeskreis besprochen. Ihr ja vielleicht auch.

Eventuell auch ein Ansatz für unsere spätere Diskussion. Mich würde auch eure Meinung dazu interessieren. Gern als Kommentar hier bei mir. Und wie handhabt es eigentlich unser Seminarleiter?

 

Schüler und Lehrer bei Facebook: Die Regeln der Freundschaft – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten – SchulSPIEGEL.

24. November 2011

Abseits der Aufgaben

Humor im Unterricht

Ich hörte gestern einen ganz interessanten Beitrag zu Humor im Unterricht. Kurz: Humor kann auch hinderlich für die Lernergebnisse sein.  Hier der Kurzartikel zur Sendung.

Leider lassen diese bei WordPress gehosteten Blogs keinen Player innerhalb der Seite zu, daher muss man es manuell aufrufen:

als mp3:  Campus und Karriere (Deutschlandradio vom 23.11.2011)
als flash:  Campus und Karriere (Deutschlandradio vom 23.11.2011)

(ist die komplette Sendung. Der Beitrag muss daher innerhalb der 19 Minuten Gesamtlänge gesucht werden)

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23. November 2011

Der gute Unterricht

2.  http://www.guterunterricht.de

Große Kritikpunkte kann ich an den meisten Punkten gar nicht äußern.  Große Diskrepanzen zu dem, was ich mir unter gutem Unterrichtvorstelle, konnte ich nicht entdecken (in der Formulierung und Strukturierung schon, in den beabsichtigten Zielen aber eigentlich nicht) . Jedoch gibt es einige Kleinigkeiten, die ich nicht für verkehrt, aber zumindest doch für fragwürdig halte:

Eine ritualisierte Offenlegung des Stundenprogramms erscheint mir ehrlich gesagt nicht immer sinnvoll. Wird damit nicht evtl. zu viel vorweg genommen? Könnte es nicht sein, dass findige Schüler so gleich auf das große Stundenziel hinarbeiten und ist das nicht eine zu große Beeinflussung der Schüler? Und engt es nicht auch den Lehrer zu sehr ein? Ziele könnten sich während der Stunde ja durchaus verändern – darauf möchte ich dann auch reagieren können. Evtl. gibt es da aber Möglichkeiten, es lediglich in einem groben Rahmen anzusprechen und durchaus noch Möglichkeiten für eine Aktualisierung….

Diskrepanz zu meinem Modell sehe ich in dem Einholen von Feedback. Wenngleich auf der Internetseite lediglich die Rahmenbedingungen und weniger konkrete Methoden besprochen werden (..die stehen in dem Buch), muss ich Formulierung im eigenen Konzept da wahrscheinlich revidieren. Viele Klassen sind wahrscheinlich weiter, als es zu meiner Schulzeit noch der Fall war und haben eine Feedback-Kultur entwickelt, die das Einholen einer Schülermeinung mit durchaus kontruktivem Output zur folge haben kann. Es liegt daher eher im Lehrer, die passenden Rahmenbedinungen dafür zu schaffen und unterschiedliche Methoden zu

Während ich dies schreibe, stelle ich mir die Frage, ob  auch der vorangegangene Punkt (Offenlegung des des Stundenprogramms) evtl. doch sinnvoll ist und die Schüler auch in diesem Punkt „fähiger“  und vertrauter damit sind, als ich es zu meiner Schulzeit evtl. war. Das Ziel offenzulegen bedeutet ja nicht, das es auch erreicht werden muss. Abweichungen erscheinen mir da durchaus zugelassen…

Sehr interressant finde ich die Methode der Phasentrenner, die mir bis dato komplett unbekannt war. Ob Klatschspiele bei einer Oberstufe aber angebracht sind? Da gibt es aber sicherlich auch noch einige Varianten für ältere Schüler.

Beim Punkt der Unterrichtsgespräche stoßen Pädagogen jedoch auf ein Probem: das beliebte  fragend-entwickelnde Gespräch sorgt, kurz gesagt, für schlechteres Abschneiden beim PISA-Test, da es eher Fähigkeiten trainiert und weniger Wissen vermittelt, das in solchen Tests abgerufen werden kann. Und: dass viele Lehrer in diesem Bereich enorme Defizite haben, um zu einem bedriedigenden Ergebnis zu kommen.  Ein Rückblick auf die eigenen Schulzeit bestätigt das: zu häufig ging es lediglich darum, die passende Antwort zur Frage abzuliefern, weniger darum, ob  sich ein Gespräch auch mal komplett anders entwicklen kann oder eine Schüler möglicherweise relevantere Inhalte „abliefern“ kann, als der Lehrer vorgesehen hatte.

An dieser Stelle kommt es mir so vor, als kristallisiere sich dieser Schnittpunkt für mich zu einem der  größten Probleme im Lehrerberauf heraus: die Abwägung zwischen dem, was gelehrt werden muss (da es z.B. in zentralen Aufgaben abgefragt werden soll) und dem, was Schüler zu einem, dem humanistischen Bildungsgedanken folgend, zu einem kritischen Menschen macht. Methoden der Vermittlung können gelernt werden. Stoff kann auch „einfach nur gelehrt“ werden. Doch intitutionelle Rahmenbedingungen verändern sich permanent. Das kann einerseits ein Problem sein, andererseits hält es in Bewegung – was nicht schlecht sein sollte.

Die Checkliste ist sicherlich eine gute Hilfe Und sollte von jungen (und vielleicht auch besonders von erfahreneren) Lehrern  regelmäßig zu Rate gezogen werden. VOR und NACH dem Unterricht. Quasi als Selbstkontrolle. Kritierien wie „Kann ich meine Schüler für den Stoff begeistern“ stoßen jedoch sicherlich an ihre GRenzen. Ich denke da z. B. an Grammatikunterricht in Deutsch, der  – noch so modern vermittelt (z.B mit Rapsongs etc.) wohl immer Unbehagen bei einigen Schülern auslösen dürfte.

22. November 2011

Der gute Unterricht

1. Eine eigene Vision

Die Maßstäbe für guten Unterricht lassen sich nach meiner Meinung aus den Faktoren herleiten, die einen Unterricht für Schüler (und auch Lehrer) zu einem schlechten werden lassen.

Nach meiner Meinung und Erfahrung aus der eigenen Schulzeit wären das grob die folgenden Punkte:

  • bei der Stoffvermittlung: z.B. monotone Vorträge, immergleiches Aufgaben-Antwort-Spiel, wenig oder falscher Medieneinsatz
  • bei der Stoffauswahl: Bsp.:Lehrer sucht Stoff ausschließlich nach eigenen Interessen und Vorlieben aus (besonders im Fach Deutsch)
  • bei der Art und Weise, wie der Lehrer seinen Job interpretiert.

Der Kehrwert der beiden ersten Punkte ergibt guten Unterricht. Der letzte Punkt stellt für mich jedoch den Ausgangspunkt dar

Guter Unterricht beginnt daher für mich bei der Selbstwahrnehmung. Wer Lehrer wird, entscheidet sich dazu, ein Leben lang zu lernen. Jedenfalls gehe ich so daran. Mit dieser Einstellung ergeben sich meiner Meinung nach gleich eine Vielzahl von wichtigen Anschlussreaktionen. Das beginnt bei der Zusammenarbeit mit den Schülern (eher Lernkamerad als -Vermittler) und hat hoffentlich auch einen offenen und kooperativen Umgang mit den Kollegen zur folge.

Weiterhin bin ich der festen Überzeugung, das der Unterricht ein guter  (oder wenigstens besser) wird, wenn auch der Pädagoge Spaß am Stoff hat. Für mich kann da auch den Einsatz von (noch) modernen Unterichtshilfen Vergnügen mit manchmal vielleicht auch nicht so beliebten Stoffinhalten bringen. Jedoch sollte das Medium nie Oberhand über den Stoff gewinnen. Es sollte nicht selbst Gegenstand werden (außer es ist in einer Unterrichtseinheit explizites Ziel). Natürlich ergeben sich daraus noch ganz andere Probleme: als Lehrer ist man ja nicht nur dem SPannungsfeld der SChüler ausgesetzt, sondern muss sich natürlich auch im Rahmen von Lehrplänen, Zentralabitur etc. bewegen.

Bei der Stoffauswahl kann Vernetzung mit anderen Lehrern und entsprechender Unterricht über mehrere Fächer hinweg Gutes bewirken. Ziel sollte es doch sein, dass ein Fach als kurzweilig wahrgenommen wird. So, wie es die meisten Sportinteressierten beim Sortunterricht empfinden – und dass, obwohl sie dort mit schwächeren Turnen oder ungeliebtes Volleyball spielen. Dort ziehen sie schwächere mit. Bei der Vermittlung sollten kompetente Schüler daher in einigen Fachbereichen ruhig als Experten Gespräche moderieren oder Frage und Antwort stehen (z.B. jemand, der sich in einer Partei engagiert kann sehr gut über seine Motivation, die Abläufe dort oder Strukturen berichten – PGW-Unterricht).

Bei dem Einsatz von Evaluationen, Umfragen und Feedbacks plädiere ich für einen  wirklich schonenden Einsatz. Aus eigener Erfahrung weiß ich noch genau, wie unmotiviert solche Blätter oftmals ausgefüllt wurden. Das Ausfüllen kann Schüler langweilen und Lehrern später nichts bringen, sofern sich daraus nur wenig ableiten lässt.

18. November 2011

Lehrer – mehr als ein Job

Schüler, Eltern und dann noch Kollegen

(jetzt auch öffentlich publiziert)
Das Video im Stream gibt es hier (ZDF-Mediathek).

Der Junglehrer am Altonaer Gymnasium war mir schon länger bekannt. Ich sah die Reportage zu Beginn des Jahres im Fernsehen und seitdem beschäftgen mich einige Probleme und Erfahrungen des Pädagogen.

Zunächst einmal die Startprobleme: Neue Schule, neue Klassen, neue Schüler und dazu noch selbst neu für alle anderen. Das beginnt ja schon damit, dass man wissen muss wo der Kopierer steht und solche banalen Dinge wie dem Organisieren von Unterichtsmaterial. Vor der Situation können jedoch nicht nur junge Lehrer stehen. Versetzungen können das Gefühl immer wieder erzeugen, doch hat es den Anschein, dass er es so angegangen ist, wie ich es auch versuchen würde – Kontakt im Kollegium suchen. Auch außerhalb der Schule. Und auch –  oder gerade weil Lehrer immer über Schule reden, wie er es selbst feststellte. Der Austausch kann ja aber recht hilfreich sein. Ich denke, dass auch nur aus so einer Situation heraus eine Hospitanz eines Kollegen sinnvoll ist. Kritisieren kann man sich zwar auch ohne sich genauer zu kennen, doch erscheint es mir angenehmer. Dass er überhaupt den Weg über Unterrichtsbeobachtungen durch andere Lehrer wählt, sollte als Vorbild dienen. Soetwas machen nach meiner Meinung noch viel zu wenig Pädagogen. Oftmals ist es noch so, dass die Tür geschlossen wird und alles dahinter  in alleiniger Verantwortung geschieht.

Das deckt sich nicht mit meiner Vorstellung des Berufs.

Und das deckt sich auch nicht mit dem, was die Erziehungswissenschaften seit Jahren versuchen zu vermitteln. Kooperationen, offener Unterricht, fächerübergreifend und ein Lehrerbild, dass eher dem eines Lernpartners oder -anleiters entsprechen soll. Problem dabei: „In der Uni lernt man die Theorie, an der Schule erlebt man die Praxis“, so der Lehrer. Weiteres Problem: universitäre Strukturen lehren zwar neue Methoden, setzen sie jedoch oftmal nur allzu selten ein. Und in der Forschung ist es schon länger bekannt, dass viele motivierte, mit neuen Methoden, Konzepten und Ideen beladene Lehrer an die Schule kommen und nach einigen Jahren wieder in alte Raster fallen oder sich von älteren Kollegen hineindrängen lassen. Ich hoffe, dass ich später nicht dazugehöre. Bei einer Hospitanz an einer Gesamtschule einer Freundin traf ich dann auch auf kollegiale jüngere lehrer, die meist isoliert von den Einzelkämpfern die Koperation suchten. Glücklicherweise waren die jüngeren an der Schule mittlerweile in der  Überzahl – das System schien gestoppt.

Doch die Kooperationen können noch so gut sein, wenn die Freiheiten im Schuljahr nicht vorhanden sind. Der Lehrer merkte es am Zentralabitur. Es schränkt ein, führt zu einem „teach to the test“ und einer größeren Oberflächlichkeit in der Tiefe des Stoffes. Für mein Fach PGW sehe ich diese Spielräume noch. In Deutsch kann ich es nicht abschätzen. Die Hoffnung ist daher, dass sich da in den kommenden Jahren etwas grundlegend verändern wird. Wie, müssen jedoch andere erarbeiten.

Im Bericht war es nur ein Nebensatz, in der Praxis aber sicherlich ein komplett neuer Bereich des Berufes, den viele noch nicht erahnen. Die Gespräche mit den Eltern. Klartext reden. Viele meiner Lehrerbekannten  berichteten, dass sie da in der Anfangsphase erhebliche Probleme hatten. Die Bekannten sprach ich übrigens direkt nach Ausstrahlung der Dokumentation an. Für viele sicherlich eine Schattenseite des Berufs.

So wie man B. Klassen erlebt, hat er dennoch einen Weg gefunden, sich mit den Schülern zu unterhalten. Solche Sprüche wie „bei dir habe ich ja eh nicht viel zu korrigieren“ klingen bei ihm nicht verletzend und auch nicht so, als wolle er den Schüler lächerlich machen.  Und ich denke auch, dass die Lehrerin der berufbildenden Schule recht hat wenn sie sagt, sie sei kein Computer und könne schon mal aufbrausend wie ein Tornado sein und dürfe das auch – auch als Pädagogin.

Der Mittelweg ist gesund. Ab und an mal abzubiegen oder ab und zu ein Update der Karten erscheint mir noch gesünder.

Ein gesunder Mittelweg, der sicherlich klappt, wenn alle mitziehen. Wenn nicht, muss er (und wohl auch ich bald) einzelne Schüler fallenlassen, DAS stelle ich mir schwer vor. Methoden kann ich lernen. Mit Enttäuschung umzugehen wohl weniger.

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